Die Idee zu „Nie erzählte Geschichten“ ist in unserer Gruppe Schulzeitung entstanden. Wir wollten die Erlebnisse der Großeltern aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufschreiben. Einmal, um die Erinnerung an die Gräueltaten und den Völkermord des NS-Regimes und die Folgen für das Leben in dieser Zeit wach zu halten, aber auch, um Geschichte für die nachfolgenden Generationen erlebbar zu machen – solange noch Gelegenheit dazu besteht.
In der Regel sind die Großeltern der am Projekt teilnehmenden Schüler*innen zu jung, um über den 2. Weltkrieg, geschweige denn die 30er oder 20er Jahre zu berichten. Deshalb haben wir das Projekt auf eine breitere Basis gestellt. Wir haben 1000 Postkarten verteilt, 20 Altersheime angeschrieben und alle Mitschüler*innen und Kolleg*innen angesprochen. So sind 18 Interviews mit 24 Senior*innen im Alter von 67 bis 96 Jahren entstanden. 16 Schüler*innen sind zu Interviews in Altersheime und zu Hausbesuchen gefahren oder haben das Gespräch in der Schule aufgezeichnet. Die Interviews wurden abgetippt und hier veröffentlicht. Die meisten der Senior*innen, so zeigt sich, haben im 2. Weltkrieg in Hamburg gelebt. Sie erzählten, wie sie die Bombennächte und den Hunger der Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt haben. Wir haben aber auch Einblicke in das „normale Leben“ der Interviewten, damals Kinder oder Jugendliche, bekommen. Eine Welt, die sich plötzlich so sehr in Allem vom Alltag nachfolgender Generationen unterschieden hat.
Als wir mit unseren Interviews starteten, wussten wir nicht genau, was uns erwartet. Wenn man die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert, geschieht dies in der Regel in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Uns war bewusst, dass unsere Interviews einen zufälligen Querschnitt heute noch Lebender darstellen, bei denen die Opfer des Holocaust fehlen: Juden, Sinti und Roma.
Letztlich, und das wird durch unsere Interviews deutlich, wurden alle Opfer des Krieges, insbesondere auch Kinder.