Wie wir in Zeiten von Konflikten und Misstrauen über die Welt von morgen verhandeln

Foto: Haus Rissen, CC BY-SA 4.0.
Die Teilnahme unserer 12. Klassen an der UNO-Simulation im Haus Rissen war ein außergewöhnliches Erlebnis, das weit über den üblichen Unterrichtsstoff hinausging. Schon beim Betreten des historischen Gebäudes spürten wir die Ernsthaftigkeit des Vorhabens: Das Haus vermittelte eine Atmosphäre, die an die offiziellen Tagungen der Vereinten Nationen erinnerte, und ließ uns sofort das Gefühl haben, Teil eines politischen Alltags zu sein, der sonst nur in den Nachrichten zu finden ist.
Die beiden zentralen Themen – Menschenrechte und der Bildungspflicht – bildeten dabei den roten Faden, an dem sich unser gesamtes Vorgehen orientieret. Gleichzeitig herrschte eine gewisse Spannung, da es weltweit nicht an Konflikten mangelt, und auch eine gewisse Utopie.
Vorbereitend wurden wir in den vorherigen Wochen in verschiedene Delegationen eingeteilt; jede Gruppe erhielt ein Land bzw. eine Position, die sie in den Diskussionen vertreten sollte. Durch diese klare Zuordnung wusste jeder sofort, welchen Standpunkt man vertreten musste, und wir konnten uns gezielt auf die jeweiligen Interessen unseres „Staats“ vorbereiten. In den Vorbereitungsstunden nutzten wir die Zeit, um uns mit den Grundlagen der Menschenrechte vertraut zu machen und den Zusammenhang zu Bildungspflicht zu erarbeiten. Zusätzlich lernten wir wie man Anträge formuliert und Kompromisse mit anderen Delegationen schließt, sowie die Zusammensetzung von Koalitionen und wir wurden mit einer Probesimulation auf die Sprache und Abläufe informiert und eingeleitet.
Der finale Ablauf der Simulation erstreckte sich über zwei intensive Tage. Am ersten Tag begannen wir mit einem gemeinsamen Auftakt, bei dem alle Teilnehmenden in einem großen Raum zusammenkamen. In einer kurzen, aber präzisen Besprechung erklärten die Organisatoren den grundsätzlichen Ablauf, die geltenden Regeln und die zeitlichen Rahmenbedingungen. Der zweite Tag war deutlich dynamischer; die Diskussionen wurden konkreter, es entstanden Vorwurfe und Konflikte zwischen den Delegationen, und jede Gruppe musste ihre Argumente klar darstellen und verteidigen. In regelmäßigen Abständen kamen wir wieder zusammen, um unsere Standpunkte auszutauschen und mögliche Kompromisse zu finden. Die informellen Sitzungen spielten dabei eine zentrale Rolle: Dort konnten wir im kleineren Kreis unsere Argumente verfeinern, Unterstützerstaaten für unsere Änderungsvorschläge gewinnen und das Zeitmanagement für die eigentlichen Verhandlungen abstimmen. Diese Gespräche waren besonders wertvoll, weil sie uns zeigten, wie wichtig es ist, eine Struktur aufzubauen und gemeinsame Interessen in internationalen Verhandlungen zu finden. Sechs Schulen aus Hamburg und anderen Bundesländern waren anwesend.
Ein entscheidender Faktor für das Gelingen des Planspiels war die digitale Organisation. Alle wichtigen Informationen – Zeitpläne, Tagesordnungen und Arbeitsaufträge – wurden online bereitgestellt, sodass wir darauf zugreifen konnten. Positionspapiere und Entwürfe für Resolutionen wurden in geteilten Dokumenten erstellt und gemeinsam bearbeitet, was die Zusammenarbeit zwischen den Delegationen erheblich erleichterte.
Am Ende des Planspiels standen sowohl Lob als auch Kritik im Raum. Positiv hervorzuheben ist die seriöse Atmosphäre, die das Haus Rissen vermittelte, und die klare, gut durchdachte Struktur des Programms. Die Leitung überzeugte durch fachliche Kompetenz und eine respektvolle, dem Anlass angemessene Sprache, was das gesamte Geschehen professionell erscheinen ließ. Auf der anderen Seite gab es jedoch auch kritische Stimmen: Einige Teilnehmende vermischten ihre persönlichen politischen Überzeugungen mit den Interessen des zugewiesenen Landes, was zu ungenauen Ergebnissen und einer weniger professionellen Stimmung führte. In manchen Fällen kam es zu verwirrenden Abstimmungen, bei denen Delegationen für Änderungen stimmten, die nicht im Interesse ihres Staates lagen, was Unsicherheiten im Rat erzeugte.
Trotz dieser kleineren Schwächen bleibt unser Fazit eindeutig: Die UNO-Simulation in Haus Rissen war ein großer Erfolg und ein prägendes Erlebnis für unsere 12. Klassen. Sie ermöglichte uns, die komplexen Zusammenhänge von Menschenrechten und Bildungspflicht aus einer internationalen Perspektive zu verstehen und gleichzeitig praktische Verhandlungsfähigkeiten zu erlernen. Wir fühlen uns geehrt, an diesem Projekt teilgenommen zu haben, und hoffen, dass zukünftige Schülerinnen und Schüler dieselbe bereichernde Erfahrung machen können. Wir freuen uns auch, dass wir für unsere Schule drei der vier Preise erhalten haben, die von der Organisation für die gute Arbeit verliehen wurden. Das Projekt hat nicht nur unser politisches Interesse geweckt, sondern auch eine bleibende Erinnerung geschaffen, die uns noch lange begleiten wird.
Autoren: Klasse 12b und Herr Lopez an der Gymnasialen Oberstufe der Bugenhagenschule Alsterdorf